OHM Rohrwerk

Druckprüfung von PE-Druckleitungen

Kurzbeschreibung

Die Druckprüfung bewertet, ob eine fertiggestellte PE-Druckleitung die für ihren Anwendungsbereich festgelegten Anforderungen an Festigkeit und Dichtheit erfüllt. Das Prüfverfahren muss zum Medium, Rohrwerkstoff, Leitungssystem und Regelwerkskontext passen. Prüfdruck, Prüfdauer und Annahmekriterien dürfen nicht aus einem anderen Anwendungsbereich übernommen werden.

Besonderheit des Werkstoffs PE

PE reagiert unter Druck zeitabhängig. Beim Aufbringen des Prüfdrucks dehnt sich die Rohrwand aus; dadurch kann der Druck auch in einer dichten Leitung sinken. Zusätzlich verändern Temperaturänderungen das Volumen von Prüfmedium und Rohrsystem. Ein beobachteter Druckabfall ist deshalb nicht ohne Auswertung des vorgeschriebenen Prüfablaufs als Leckage zu bewerten.

Das gewählte Verfahren muss das viskoelastische Verhalten ausdrücklich berücksichtigen. Für Wasserversorgungsleitungen sind DIN EN 805 und die DVGW-W-400-Reihe maßgeblich einzuordnen. Gas-, Industrie- und sonstige Druckleitungen können andere Verfahren und Annahmekriterien erfordern.

Voraussetzungen vor der Prüfung

Vor Beginn müssen mindestens folgende Punkte geklärt sein:

  • freigegebener Prüfplan und eindeutiger Prüfabschnitt,
  • zulässiger Druck aller Rohre, Formteile, Armaturen, Flansche und Provisorien,
  • sichere Widerlagerung von Enden, Bögen, Abzweigen und Reduzierungen,
  • abgeschlossene und dokumentierte Verbindungen,
  • geeignete, kalibrierte Messgeräte und festgelegte Messintervalle,
  • kontrollierte Befüllung und möglichst vollständige Entlüftung,
  • erfasste Rohrwand-, Prüfmedium- und Umgebungstemperaturen,
  • abgesperrter Gefahrenbereich und geregelte Druckentlastung.

Nicht ausreichend gesicherte Verschlüsse oder Formteile können durch die gespeicherte Energie des komprimierten Systems lebensgefährlich beschleunigt werden.

Befüllen und Entlüften

Die Leitung ist kontrolliert vom geeigneten Tiefpunkt aus zu füllen und an den vorgesehenen Hochpunkten zu entlüften. Eingeschlossene Luft erhöht die gespeicherte Energie, verfälscht die Bewertung und verschärft die Gefahr bei einem Bauteilversagen. Große Höhenunterschiede können innerhalb desselben Prüfabschnitts deutlich unterschiedliche lokale Drücke erzeugen und müssen bei der Abschnittsbildung berücksichtigt werden.

Prüfablauf und Bewertung

Regelwerkskonforme Verfahren gliedern die Prüfung in definierte Phasen, beispielsweise Druckaufbau, Konditionierung oder Vorprüfung sowie Hauptprüfung. Reihenfolge, Nachspeisung, Druckänderung, Zeitmessung und Auswertung sind Bestandteile des jeweiligen Verfahrens und dürfen nicht frei kombiniert werden.

Für die Bewertung sind insbesondere zu dokumentieren:

  • Leitungslänge, Abmessungen, Werkstoff und SDR,
  • Höhenlage und Lage der Messstelle,
  • Prüfmedium und vollständig befülltes Volumen,
  • Druck- und Temperaturverlauf über die Zeit,
  • zugeführte oder entnommene Wassermenge, sofern das Verfahren dies vorsieht,
  • sichtbare Auffälligkeiten und Zustand der Verbindungen,
  • verwendetes Verfahren und dessen Annahmekriterien.

Ein bestandenes Prüfergebnis bestätigt den geprüften Zustand und Prüfabschnitt. Es ersetzt weder die Kontrolle der Einbaudokumentation noch die hygienische Freigabe einer Trinkwasserleitung.

Nach der Prüfung

Der Druck ist kontrolliert abzubauen. Prüfmedium, Entleerung, Spülung und gegebenenfalls Desinfektion sind entsprechend dem Einsatzbereich zu behandeln. Vor der Inbetriebnahme müssen Provisorien entfernt, Armaturen in den vorgesehenen Betriebszustand gebracht und alle Prüfunterlagen dem konkreten Leitungsabschnitt zugeordnet werden.

Norm- und Regelwerkhinweise

Für PE-Druckleitungen der Wasserversorgung bilden DIN EN 805 und die einschlägigen Teile der DVGW-W-400-Reihe den anwendungsbezogenen Rahmen für Bau, Prüfung und Inbetriebnahme. Die DIN-EN-12201-Reihe beschreibt das PE-Rohrleitungssystem auf Produktebene. Das konkrete Prüfverfahren einschließlich Prüfdruck, Phasen, Dauer und Annahmekriterien ist aus dem für Medium, Betreiber und Leitungssystem geltenden Regelwerk festzulegen.

Prüfverfahren für drucklose Entwässerungsleitungen sowie Verfahren für Gasleitungen dürfen nicht auf Wasser-Druckleitungen übertragen werden.

Hinweis zur projektspezifischen Prüfung

Diese Seite nennt bewusst keine universellen Prüfdrücke oder Prüfzeiten. Sie ergeben sich aus Anwendungsbereich, Auslegungsdruck, Rohrsystem, Höhenprofil und dem verbindlich festgelegten Prüfverfahren. Die Druckprüfung ist durch qualifiziertes Personal mit einem freigegebenen Prüfplan durchzuführen.

Alle Angaben ohne Gewähr. Vollständiger Disclaimer